Global Traceable Down Standard: Alle wichtigen Informationen zum Siegel

GTD Tierschutz Daunen

Die Prozesse in der Daunenindustrie sind leider viel zu oft mit großem Tierleid verbunden. Standards wie der Global Traceable Down Standard kennzeichnen Produkte, bei deren Herstellung der Tierschutz im Mittelpunkt steht. Was dahinter steckt und wie vertrauenswürdig die Zertifizierung ist, erfahren Sie hier.

Inhalt:

Was ist der Global Traceable Down Standard?

Beim Global Traceable Down Standard handelt es sich um ein Siegel für Daunen und Federn sowie für damit befüllte Produkte. So können beispielsweise Daunenjacken, Bettdecken oder Outdoorausrüstung damit versehen werden. Als „Traceable Down“ – also „rückführbare Daunen“ – Standard verspricht er, dass sämtliche Daunen und Daunenprodukte, die das Siegel tragen, rückverfolgbar sind. Die Herkunft der Daunen darf also kein Geheimnis sein.

Wo und von welchen Gänsen und Enten die Daunen und Federn gewonnen werden, ist deshalb so wichtig, da nur auf diese Weise kontrolliert werden kann, ob auf das Wohl der Tiere geachtet wird. Bezüglich des Tierschutzes ist der Global Traceable Down Standard die aktuell stärkste und strengste Zertifizierung der daunenproduzierenden und -verarbeitenden Industrie. Damit zertifizierte Daunen müssen zu 100% den Regelungen entsprechen und jederzeit klar vom Rest, den nicht zertifizierten Daunen, getrennt werden.

Klar ausgeschlossen wird die Gewinnung der Daunen von Tieren, die am lebendigen Leib und ohne Betäubung gerupft werden – der sogenannte Lebendrupf. Gerupft werden darf demzufolge erst nach der Schlachtung, wenn dem Tier dadurch kein zusätzliches Leid mehr widerfährt. Außerdem dürfen die Tiere nicht gemästet oder zwangsgefüttert werden. Entlang der gesamten Lieferkette darf kein unnötiges Tierleid entstehen.

Global Traceable Down Standard: Was sind die Kriterien?

Um seine Produkte mit dem Global Traceable Down Standard kennzeichnen zu dürfen, muss das Wohl der Tiere zu jedem Zeitpunkt der Lieferkette an oberster Stelle stehen. Von der Elterntierfarm bis hin zum Schlachthof müssen sich alle Farmen, Fabriken und sonstigen Unternehmen zu 100% dem Tierwohl verschrieben haben.

Die Kriterien beziehen sich dabei unter anderem auf die „Five Freedoms“, die Fünf Freiheiten des Tierwohl. Diese wurden vom Farm Animal Welfare Council bereits 1979 ins Leben gerufen und sind den Tieren durchgehend zu gewährleisten. Dazu gehören:

Freiheit von Hunger, Durst und Fehlernährung: Tiere dürfen nicht unterernährt werden und müssen ständigen Zugang zu frischem Wasser und artgerechtem Futter erhalten. Gleichermaßen ist eine Überernährung oder Stopfmast verboten.

Freiheit von Unbehagen: Es muss darauf geachtet werden, dass die Tiere ausreichend Bewegungsfreiheit sowie einen Unterschlupf haben, wo sie Ruhe finden können.

Freiheit von Schmerz, Verletzung und Krankheit: Im Krankheitsfall müssen die Tiere fachgerecht tiermedizinisch versorgt werden. Zusätzlich sind jegliche Vorkehrungen, wie vorbeugende Impfungen und die Einhaltung von Hygienestandards, zu treffen, die eine Erkrankung oder Verletzung verhindern.

Freiheit von Angst und Leiden: Die Tiere dürfen keinen vermeidbaren Stresssituationen ausgesetzt werden und keine unnötige Angst erfahren.

Freiheit zum Ausleben normalen Verhaltens: Durch eine artgerechte Haltung mit ausreichend Platz sowie einer entsprechenden sozialen Struktur soll den Tieren ein normales Leben ermöglicht werden.

Damit die Herkunft der Daunen überhaupt festgestellt werden kann, ist es zudem notwendig, dass alle Mitglieder der Lieferkette über Systeme zur lückenlosen Rückverfolgung verfügen. Zertifiziert werden Farmen, Verarbeiter genauso wie Fabriken und andere Mitglieder der Lieferkette.

Besonderheit: Elterntiere

Während bei anderen Standards das Tierwohl von der Brut bis zur Schlachtung garantiert wird, geht der Global Traceable Down Standard noch einen Schritt weiter. Das Tierwohl muss, um das Audit zu bestehen, auch auf den zugehörigen Elterntierfarmen gewährleistet sein.

Elterntiere sind Gänse und Enten, die hauptsächlich zur Erhaltung der Farm, zur Fortpflanzung, genutzt werden. Aus diesem Grund leben diese Tiere auch länger, was wiederum dazu führt, dass sie häufiger vom Lebendrupf betroffen sind. Elterntiere müssen das Leid teilweise bis zu 16-mal ertragen.

Tierleid durch Lebendrupf

Eine Gans bringt in etwa 150 Gramm an Daunen. Pro Kilo erhält ein Farmer je nach Qualität und Nachfrage 8-20 Euro pro Kilogramm. Schlachtware neigt aufgrund des Einsatzes von Maschinen zu Beschädigungen und ist in der Folge mühsamer zu verarbeiten. Aus diesem Grund ist es für den Farmer durchaus lukrativ, wenn ein und dasselbe Tier mehrere Male gerupft wird.

Daunen Qualität
Um die kostbaren Daunen zu gewinnen, werden Tier oft Qualen ausgesetzt. Bild: ©zhane luk – stock.adobe.com (Datei Nr.: 456471289)

Damit ist allerdings immenses Tierleid verbunden. Die Gänse und Enten werden während der Prozedur nicht betäubt und bleiben apathisch und mit aufgerissener Haut zurück. Offene Wunden werden ohne Desinfektion oder tierärztlicher Begutachtung zugenäht. In Anbetracht dieser Grausamkeiten ist der Lebendrupf in der EU verboten.

Jedoch gibt es Ausnahmen für die Mauser-Zeit. Beim Mausern werfen Wasservögel ihre abgenutzten Federn auf natürliche Weise ab. Dies geschieht des Tieres in regelmäßigen Abständen abhängig vom Alter des Tieres und ermöglicht das Wachstum eines neuen Federkleids. Das Problem ist laut Tierärzten, dass auf Farmen mit einer großen Anzahl an Gänsen und Enten nicht auf die individuelle Mauser-Zeit eines jeden Tieres eingegangen werden kann und der Lebendrupf daher gänzlich verboten werden sollte.

Global Traceable Down Standard: wer steckt dahinter?

Der Global Traceable Down Standard wurde 2015 von der Outdoormarke Patagonia, gemeinsam mit der NSF International, Tierschutzorganisationen, Interessensverbänden und anderen NGOs und Unternehmen der Branche gegründet.

Bereits im Vorhinein hatte Patagonia seine Produkte mit firmeneigenen Standards zertifiziert und Lebendrupf und Stopfmast aus seinen Lieferketten verbannt. Mit dem Ziel mehr Bewusstsein für verstecktes Tierleid mithilfe von weltweit gültigen Mindeststandards zu schaffen, entstand dann der Global Traceable Down Standard.

Die NSF (National Sanitation Foundation) International ist eine gemeinnützige Organisation aus den USA. Zu ihren Hauptaufgaben zählt die Entwicklung von Gesundheitsstandards und Produkten zur Zertifizierung. 

Dadurch sollen natürliche Ressourcen geschützt und die Lebensmittelsicherheit garantiert werden. In den NSF Global Animal Wellness Standards sind Regelungen zum Lebensraum, der körperlichen Bedingungen sowie dem sozialen und emotionalen Wohlbefinden von Tieren festgelegt.

Global Traceable Down Standard Logo

Im Zuge der Standards arbeitet die NSF auch mit der Non-Profit-Organisation Textile Exchange, der Eigentümerin des Responsible Down Standards, zusammen. Gemeinsam wollen sie zur Harmonisierung der Standards beitragen.

Ablauf der Audits

Das Zertifikat des Global Traceable Down Standards wird von einer unabhängigen Zertifizierungsstelle ausgestellt. Es behält seine Gültigkeit nach Ausstellung für drei Jahre. In dieser Zeit erfolgt einmal jährlich ein erneutes Audit zur Überprüfung, ob die Bestimmungen kontinuierlich eingehalten werden. Darüber hinaus darf der Betrieb jederzeit unangekündigt von der Zertifizierungsstelle besucht werden.

Eiderdaunendecke
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Bei der Erst-Evaluierung kommt es zunächst zu einer visuellen Inspektion des Betriebs. Anschließend muss die artgerechte und den Vorgaben entsprechende Haltung der Tiere verifiziert werden. Dazu werden beispielsweise Dokumente von Tierärzten begutachtet und Befragungen durchgeführt. Eine Rezertifizierung nach drei Jahren geschieht auf Basis einer erneuten Überprüfung aller notwendigen Dokumente sowie einer Kontrolle vor Ort.

Fazit zum Traceable Down Standard: Streng und vertrauenswürdig

Der Global Traceable Down Standard beinhaltet im Vergleich mit anderen Standards, wie dem Responsible Down Standard oder dem Downpass Standard, die strengten Vorgaben. Der größte Unterschied: Bisher stehen nur hier explizite Regelungen zum tiergerechten Umgang mit Elterntieren geschrieben. Damit können Sie bei Produkten mit diesem Zertifikat darauf vertrauen, dass bei der Herstellung kein Tier unnötig gelitten hat.

Verwendete Quellen

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Gerald Bacher
Gerald Bacher

Als ich vor einigen Jahren eine Dokumentation über Tierleid bei der Daunengewinnung gesehen habe, war für mich klar, dass ich hier einen Beitrag leisten will. Seitdem berichte ich bei Daunenfeder.com über Tierschutz bei Daunenprodukten und woran man als Laie Qualität erkennen kann.